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marktneutrale hedgefonds erklärt: equity-market-neutral-strategien und risiken

Marktneutrale Hedgefonds erklärt: Equity-Market-Neutral-Strategien und Risiken

Ein marktneutraler Hedgefonds will unabhängig davon Geld verdienen, ob die Märkte steigen oder fallen. Dazu werden Long- und Short-Positionen so ausbalanciert, dass das Marktengagement des Portfolios nahe null liegt. Die Rendite stammt dann aus der relativen Entwicklung der gekauften und leerverkauften Wertpapiere, nicht aus der Marktrichtung. Die häufigste Form ist Equity Market Neutral, eine strengere Variante der Long-Short-Strategie. Dieser Beitrag erklärt, wie marktneutrale Strategien aufgebaut sind, welche Ansätze Manager nutzen, woher die Erträge kommen und welche Risiken auch bei neutralisiertem Marktrisiko bleiben.

Was ist eine marktneutrale Strategie?

Eine marktneutrale Strategie hält Long-Positionen in Wertpapieren, die sich voraussichtlich besser entwickeln, und Short-Positionen in solchen, die sich voraussichtlich schlechter entwickeln – so gewichtet, dass eine breite Marktbewegung das Portfolio kaum beeinflusst. Fällt der Markt um 10 %, sollten die Verluste im Long-Buch weitgehend durch Gewinne im Short-Buch ausgeglichen werden. Das Ergebnis hängt dann davon ab, ob der Manager die richtigen Gewinner und Verlierer ausgewählt hat.

Marktneutrales Investieren lässt sich am besten als Unterform der Long-Short-Strategie verstehen. Die meisten Long-Short-Fonds behalten ein Netto-Long-Engagement und akzeptieren ein gewisses Marktrisiko; ein marktneutraler Fonds eliminiert dieses weitgehend. Damit ist Market Neutral ein typischer Baustein von Absolute-Return-Strategien.

Wie marktneutrale Portfolios aufgebaut werden

«Neutral» lässt sich auf mehrere Arten messen, und Manager kombinieren diese meist. Je strenger die Neutralität, desto stärker hängt das Ergebnis allein von der Titelauswahl ab.

  • Dollar- bzw. betragsneutral – der Wert der Long-Positionen entspricht dem Wert der Short-Positionen; das Netto-Engagement ist in Geldbeträgen null.
  • Beta-neutral – Positionen werden nach ihrer Sensitivität gegenüber dem Markt gewichtet. Ein Portfolio kann betragsneutral sein und trotzdem Marktrisiko tragen, wenn die Long-Positionen schwankungsanfälliger sind als die Short-Positionen; Beta-Neutralität korrigiert das.
  • Sektor- und länderneutral – Long- und Short-Positionen werden innerhalb jedes Sektors oder Landes abgeglichen, damit etwa ein Kursrückgang bei Bankaktien nicht das ganze Portfolio belastet.
  • Faktorneutral – Engagements in Stilfaktoren wie Value, Momentum, Grösse oder Qualität werden nahe null gehalten, damit die Rendite keine versteckte Wette auf einen Anlagestil ist.

Arten marktneutraler Strategien

Fundamentale Equity-Market-Neutral-Strategien

Analysten untersuchen einzelne Unternehmen und stellen attraktive Geschäftsmodelle schwächeren gegenüber, häufig innerhalb derselben Branche. Das Portfolio ist meist konzentriert, die Haltedauer reicht von Wochen bis Monaten.

Statistische Arbitrage

Statistische Arbitrage nutzt quantitative Modelle, um kurzfristige Preisbeziehungen zwischen Hunderten oder Tausenden Aktien auszunutzen. Die einzelnen Positionen sind klein, der Umschlag ist hoch, und der Vorteil entsteht aus vielen kleinen, wiederholten Wetten statt aus wenigen grossen Überzeugungen.

Pair Trading

Beim Pair Trading wird ein Wertpapier gekauft und ein eng verwandtes leerverkauft – zum Beispiel zwei Unternehmen derselben Branche –, wenn sich ihre Preisbeziehung von der historischen Norm entfernt, in der Erwartung, dass sie wieder zusammenläuft.

Quantitative Faktorstrategien

Systematische Faktormodelle ordnen ein breites Aktienuniversum nach Merkmalen wie Bewertung, Ertragsqualität oder Kurstrend, kaufen die bestplatzierten Titel und verkaufen die schlechtplatzierten leer. Verwandte systematische Ansätze in anderen Anlageklassen beschreibt unser Beitrag zu Managed Futures und Global Macro.

Woher kommen die Erträge marktneutraler Fonds?

Da das Marktrisiko herausgenommen wird, setzt sich die Rendite eines marktneutralen Fonds aus drei Hauptkomponenten zusammen:

  • Die Long-Short-Differenz – der Unterschied zwischen der Entwicklung des Long- und des Short-Buchs. Das ist das Alpha des Managers und die wichtigste Ertragsquelle.
  • Zinsen auf liquide Mittel – Erlöse aus Leerverkäufen und nicht investiertes Kapital dienen meist als verzinste Sicherheit; marktneutrale Renditen werden daher oft im Verhältnis zum Geldmarktzins beschrieben.
  • Kosten – Leihgebühren für leerverkaufte Aktien, Handels- und Finanzierungskosten schmälern das Ergebnis, vor allem bei Strategien mit hohem Umschlag.

Weil die Marktkomponente klein ist, kann ein marktneutraler Fonds schon mit einer bescheidenen positiven Differenz ein ruhiges Renditeprofil erzielen. Die Kehrseite: In starken Haussephasen bleibt er meist hinter reinen Aktienfonds zurück – ein Muster, das unser Beitrag wie viele Hedgefonds den Markt schlagen beschreibt.

Welche Risiken haben marktneutrale Hedgefonds?

Ein neutralisiertes Marktrisiko macht ein Portfolio nicht risikofrei. Die wichtigsten Risiken sind:

  • Crowding und Deleveraging – halten viele Fonds ähnliche Positionen, kann ein Zwangsverkauf eines Marktteilnehmers die Kurse gegen alle bewegen. Andrew Lo und Amir Khandani vom MIT dokumentierten, wie in der Woche ab dem 6. August 2007 eine Reihe quantitativer Long-Short-Aktienfonds beispiellose Verluste erlitt, die sie auf die rasche Auflösung grosser marktneutraler Portfolios zurückführten («What Happened to the Quants in August 2007?»).
  • Hebel – da die Differenz zwischen Long- und Short-Positionen oft klein ist, setzen Manager Fremdkapital ein, um eine attraktive Rendite zu erreichen; das vergrössert Verluste, wenn sich die Differenz in die falsche Richtung bewegt.
  • Modell- und Faktorrisiko – Zusammenhänge, die in der Vergangenheit galten, können zusammenbrechen, und versteckte Faktorengagements können die Rendite dominieren.
  • Short Squeeze – ein starker Anstieg stark leerverkaufter Aktien kann im Short-Buch hohe Verluste verursachen.
  • Unvollständige Neutralität – Beta und Korrelationen ändern sich; ein Portfolio, das zu Monatsbeginn neutral war, ist es in einem Ausverkauf möglicherweise nicht mehr.

Diese Risiken zeigen sich eher als plötzliche, seltene Verluste denn als alltägliche Schwankungen. Kennzahlen wie in unserem Beitrag zu Schiefe und Kurtosis von Hedgefonds-Renditen sind für diese Strategie deshalb besonders relevant.

Marktneutral vs. Long-Short vs. Long-only

  • Long-only-Aktienfonds – voll dem Markt ausgesetzt; die Rendite folgt eng dem Index.
  • Long-Short-Equity – Netto-Long-Engagement, meist zwischen niedrig und mittel; die Rendite verbindet Titelauswahl und einen Teil der Marktrichtung.
  • Equity Market Neutral – Netto- und Beta-Engagement nahe null; die Rendite hängt fast ausschliesslich von der Titelauswahl und dem Geldmarktzins ab.

Wie Anleger einen marktneutralen Fonds prüfen

Bei der Beurteilung eines marktneutralen Managers achten Anleger typischerweise auf:

  • das tatsächlich realisierte Beta und die Korrelation zu Aktienmärkten, vor allem in Ausverkäufen;
  • Brutto-Engagement und Hebel sowie deren Entwicklung im Zeitverlauf;
  • Faktorengagements und wie eng diese kontrolliert werden;
  • Umschlag, Handelskosten und Kapazität – wie viel Kapital die Strategie aufnehmen kann;
  • das Verhalten in Crowding-Phasen wie im August 2007 sowie Höhe und Dauer von Drawdowns.

Den weiteren Prüfprozess beschreibt unser Beitrag zur Auswahl von Hedgefonds-Managern. Grosse Plattformen führen marktneutrale Bücher oft neben anderen Strategien, wie unser Artikel zu Multi-Strategie-Hedgefonds erklärt.

AQUIS Capital, eine von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligte Asset-Management-Boutique mit Sitz in Zürich, verwaltet den AltAlpha SICAV – Abacorum Fund, einen Dachfonds für Hedgefonds, der über Long/Short Equity, Long/Short Credit, Global Macro und Event-Driven-Strategien diversifiziert.

Häufige Fragen zu marktneutralen Hedgefonds

Was ist ein marktneutraler Hedgefonds?

Ein marktneutraler Hedgefonds gleicht Long- und Short-Positionen so aus, dass sein Marktengagement nahe null liegt. Seine Rendite hängt von der relativen Entwicklung der gekauften und leerverkauften Wertpapiere ab, nicht davon, ob der Markt steigt oder fällt.

Was ist der Unterschied zwischen marktneutral und Long-Short?

Long-Short-Fonds behalten meist ein Netto-Long-Engagement und akzeptieren ein gewisses Marktrisiko. Marktneutrale Aktienfonds streben ein Netto- und Beta-Engagement nahe null an, sodass ihre Rendite fast vollständig aus der Titelauswahl stammt.

Kann ein marktneutraler Fonds Verluste machen?

Ja. Marktneutrale Fonds verlieren Geld, wenn sich ihre Long-Positionen schlechter entwickeln als ihre Short-Positionen, wenn überfüllte Positionen aufgelöst werden, wenn der Hebel kleine Verluste vergrössert oder wenn die Neutralität in einem Marktschock nicht hält.

Was ist statistische Arbitrage?

Statistische Arbitrage ist ein quantitativer marktneutraler Ansatz, der mit Modellen kurzfristige Preisbeziehungen zwischen vielen Wertpapieren ausnutzt und dabei kleine Long- und Short-Positionen hält, die häufig gehandelt werden.

Welche Rolle spielen marktneutrale Strategien im Portfolio?

Marktneutrale Strategien dienen meist der Diversifikation: Sie sollen Renditen mit geringer Korrelation zu Aktien und Anleihen liefern. In starken Haussephasen bleiben sie in der Regel hinter Aktien zurück, in Ausverkäufen sollen sie sich stabiler halten.

Erfahren Sie mehr über AQUIS Capital und das Team dahinter, entdecken Sie die Fonds von AQUIS Capital oder kontaktieren Sie das Team mit Ihren Fragen.

Dieser Inhalt dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt keine Finanz-, Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Investitionen sind mit Risiken verbunden, einschliesslich des möglichen Kapitalverlusts. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Ziehen Sie vor Entscheidungen eine zugelassene Fachperson hinzu.

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