Hedgefonds erklärt: Was ein Hedgefonds ist und wie er funktioniert
Fragt man zehn Anlegerinnen und Anleger, was ein Hedgefonds eigentlich ist, kommt meist eine vage Vorstellung von hohem Risiko, Verschwiegenheit und sehr vermögenden Kunden zurück. Das ist nicht falsch, aber auch keine Definition.
Ein Hedgefonds — gelegentlich auch als Hedge Fonds in zwei Worten geschrieben — ist ein gepoolter Investmentfonds, der ein breiteres Instrumentarium als ein klassischer Fonds nutzt — darunter Leerverkäufe, Fremdkapital (Leverage) und Derivate —, um Renditen zu erzielen, die nicht einfach dem Gesamtmarkt folgen. Hedgefonds erklärt heisst deshalb vor allem: verstehen, welche zusätzlichen Werkzeuge erlaubt sind und wer sie nutzen darf. Dieser Beitrag erklärt, was ein Hedgefonds ist, wie er funktioniert, welche Hedgefonds Strategien dahinterstehen und wie die Struktur rechtlich in Deutschland eingeordnet ist.
Was ist ein Hedgefonds?
Ein Hedgefonds ist ein gepoolter Investmentfonds, der aktives Handeln und Risikomanagementtechniken einsetzt — darunter Leerverkäufe, Fremdkapitalaufnahme und Derivate —, um Erträge zu erzielen, die nicht eins zu eins von der Marktrichtung abhängen. Was sind Hedgefonds also im Kern? Fonds, die mehr Werkzeuge einsetzen dürfen als klassische Investmentfonds — und genau das unterscheidet sie regulatorisch.
Nach der Legaldefinition in § 283 Abs. 1 KAGB handelt es sich bei einem Hedgefonds um einen offenen inländischen Spezial-AIF, dessen Anlagebedingungen mindestens den Einsatz von Leverage in beträchtlichem Umfang oder Leerverkäufe vorsehen. „Beträchtlicher Umfang" liegt laut Art. 111 der Delegierten Verordnung (EU) Nr. 231/2013 vor, wenn das Engagement des Fonds den Nettoinventarwert um mehr als das Dreifache übersteigt. Geschlossene Hedgefonds sind nach deutschem Recht unzulässig.
Weil Hedgefonds zu den sogenannten Spezial-AIF zählen, dürfen ihre Anteile gemäss § 1 Abs. 6 KAGB nicht an Privatanleger vertrieben werden — sie stehen ausschliesslich semiprofessionellen und professionellen Anlegern zur Verfügung. Die Aufsicht in Deutschland liegt bei der BaFin.
Der Name selbst ist ein gutes Hedgefonds Beispiel dafür, wie die Finanzbranche einen Begriff umdeutet. Im März 1949 stellte Alfred Winslow Jones einen „hedged fund" zusammen — etwa die Hälfte des Portfolios in Long-Positionen mit Aufwärtspotenzial, die andere Hälfte als Short-Positionen mit Abwärtspotenzial. Diese Kombination sollte gegen die Marktrichtung absichern (englisch: to hedge) und gab der Fondsgattung ihren Namen.
Wie funktioniert ein Hedgefonds?
Ein Hedgefonds wird von einer Investmentgesellschaft verwaltet, die rechtlich vom Fondsvermögen getrennt ist. Prime Broker, Fondsadministratoren und Wirtschaftsprüfer übernehmen Finanzierung, Abwicklung, Bewertung und Reporting rund um den eigentlichen Investmentprozess.
Leverage — die Aufnahme von Fremdkapital oder der Einsatz von Derivaten, um ein grösseres Marktengagement zu erzielen, als das Anlegerkapital allein zuliesse — gilt oft als extrem. Eine Untersuchung von Ang, Gorovyy und van Inwegen, erschienen als Arbeitspapier des National Bureau of Economic Research und im Journal of Financial Economics (2011), kam demgegenüber zu einem deutlich niedrigeren durchschnittlichen Leverage-Einsatz von Hedgefonds als bei börsennotierten Investmentbanken im selben Zeitraum. Leverage verstärkt Gewinne wie Verluste gleichermassen, weshalb Fonds, die ihn einsetzen, in der Regel ein umfassenderes Risikomanagement betreiben.
Bei den Kosten hat sich das von Jones geprägte Modell durchgesetzt: eine Verwaltungsgebühr (üblich sind rund 2 % des Nettoinventarwerts pro Jahr) deckt die Betriebskosten, eine Erfolgsgebühr (üblich rund 20 % des Wertzuwachses) honoriert das Ergebnis. Die meisten Erfolgsgebühren enthalten ein High-Water-Mark: Die Gebühr wird erst fällig, wenn frühere Verluste wieder aufgeholt wurden.
Welche Hedgefonds-Strategien gibt es?
Es gibt nicht die eine Hedgefonds-Strategie — der Begriff umfasst mehrere grundverschiedene Hedgefonds Strategien, die viele Fonds miteinander kombinieren.
Strategie | Ansatz | Haupttreiber der Rendite |
|---|---|---|
Long/Short Equity | Long-Positionen in bevorzugten Aktien, Short-Positionen in anderen | Aktienauswahl statt Marktrichtung |
Global Macro | Positionen in Währungen, Zinsen, Aktien und Rohstoffen anhand makroökonomischer Einschätzungen | Makroökonomische Analyse |
Event Driven | Positionierung rund um Übernahmen, Restrukturierungen oder andere Unternehmensereignisse | Ausgang eines konkreten Ereignisses |
Relative Value / Arbitrage | Nutzt Preisunterschiede zwischen verwandten Instrumenten | Konvergenz von Fehlbewertungen |
Managed Futures / Systematisch | Regelbasierter, modellgetriebener Handel über Anlageklassen hinweg | Trend- und Momentum-Signale |
Wie diese Strategien in der Praxis kombiniert und risikogesteuert werden, beschreibt unser Beitrag zu Hedgefonds-Strategien und Portfoliokonstruktion. Ein Fonds, der mehrere dieser Strategien statt eines einzelnen Ansatzes in einem Vehikel bündelt, wird meist als Multi-Strategie-Dachfonds bezeichnet.
Das Strategie-Label beschreibt, woher die Rendite kommen soll. Es beschreibt nicht das Verlustrisiko — das muss für jeden Fonds einzeln geprüft werden.
Hedgefonds vs. Dachfonds: was ist der Unterschied?
Neben der Strategie unterscheiden sich Hedgefonds auch nach Struktur. Ein Single-Hedgefonds wird von einem Team nach einem Ansatz verwaltet. Ein Dachhedgefonds (englisch fund-of-funds) investiert dagegen ausschliesslich in andere Single-Hedgefonds als Zielfonds. Nach § 225 Abs. 1 KAGB dürfen Dachhedgefonds nicht mehr als 20 % ihres Wertes in einen einzelnen Zielfonds anlegen; Leverage über die reine Kreditaufnahme hinaus und Leerverkäufe sind auf Dachfonds-Ebene selbst untersagt — das operative Risiko liegt auf Ebene der Subfonds.
Wie ein solcher Dachhedgefonds in der Praxis aufgebaut ist, zeigt unser Beitrag zum Abacorum Fund von AQUIS Capital.
Wer beaufsichtigt Hedgefonds?
In Deutschland ist das KAGB seit Juli 2013 die alleinige Rechtsgrundlage für Hedgefonds; zuvor regelte seit Januar 2004 das Investmentgesetz den Vertrieb sogenannter „Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken". Die BaFin beaufsichtigt deutsche Hedgefonds und begrenzt ihren Fremdkapitaleinsatz. In den USA registrieren sich Manager ab einer bestimmten Schwelle des verwalteten Vermögens bei der SEC; in Grossbritannien, dem grössten Standort der europäischen Hedgefonds-Branche, ist die Financial Conduct Authority zuständig. In der Schweiz unterstehen alternative Fondsmanager der Aufsicht der FINMA.
Für Anleger, die Hedgefonds-Strategien im Rahmen einer breiteren Allokation prüfen — etwa über ein Family Office —, ist weniger die Regulierung selbst entscheidend als die Frage, ob Investmentprozess, Risikorahmen und Liquiditätsbedingungen des Managers zum Mandat passen.
Häufige Fragen
Was ist ein Hedgefonds einfach erklärt?
Ein gepoolter Fonds, der mehr Instrumente als ein klassischer Fonds einsetzt — Leerverkäufe, Fremdkapital und Derivate —, um Erträge zu erzielen, die nicht einfach dem Gesamtmarkt folgen, und der ausschliesslich semiprofessionellen und professionellen Anlegern offensteht.
Was ist ein Beispiel für eine Hedgefonds-Strategie?
Long/Short Equity ist ein gängiges Hedgefonds-Beispiel: Der Fonds kauft Aktien mit erwarteter Kurssteigerung und verkauft andere leer, sodass das Ergebnis stärker von der Aktienauswahl als von der allgemeinen Marktrichtung abhängt.
Woher kommt der Name „Hedgefonds"?
Aus der ursprünglichen Struktur von 1949, die Long- und Short-Positionen kombinierte, um sich gegen die Marktrichtung abzusichern (englisch: to hedge). Der Name blieb erhalten, auch wenn viele moderne Strategien — insbesondere mit hohem Leverage-Einsatz — erhebliche Risiken tragen, bis hin zum Totalverlust.
Können Privatanleger in Hedgefonds investieren?
In der Regel nicht direkt. Hedgefonds-Anteile dürfen nach § 1 Abs. 6 KAGB nicht an Privatanleger vertrieben werden, sondern nur an semiprofessionelle und professionelle Anleger. Institutionen wie Pensionskassen, Stiftungen und Family Offices erhalten darüber Zugang zu Hedgefonds-Strategien im Auftrag ihrer Begünstigten.
Was ist ein Dachhedgefonds?
Ein Hedgefonds, der ausschliesslich in andere Hedgefonds als Zielfonds investiert, statt selbst direkt zu handeln — maximal 20 % des Volumens je Zielfonds nach § 225 KAGB. Das ermöglicht Diversifikation über mehrere Manager und Strategien in einer einzigen Anlage.
Wie werden Hedgefonds-Manager bezahlt?
Meist nach dem „2 und 20"-Modell: rund 2 % Verwaltungsgebühr auf das Fondsvermögen pro Jahr plus rund 20 % Erfolgsgebühr auf den Wertzuwachs, in der Regel mit einem High-Water-Mark, damit Gebühren nicht zweimal auf dieselbe wiederaufgeholte Verlustphase anfallen.
Ein Hedgefonds ist keine einzelne Sache, sondern eine regulatorische Kategorie, unter der sehr unterschiedliche Strategien, Risikoniveaus und Strukturen stehen. Das Label sagt etwas über Regulierung und Zugang aus — nicht darüber, ob die konkrete Strategie zum eigenen Portfolio passt. Das bleibt eine Einzelfallprüfung.
Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar, auch kein Angebot zur Zeichnung eines Fonds. Hedgefonds-Strategien sind mit Risiken verbunden, einschliesslich möglichen Kapitalverlusts, und nicht für alle Anleger geeignet. Angaben stammen aus veröffentlichten akademischen und regulatorischen Quellen und können je nach Fonds und Rechtsraum abweichen. Vor einer Anlageentscheidung sollte fachkundiger Rat eingeholt werden.