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Was ist ein Family Office? Struktur, Kosten und Aufgaben

Familien mit grossem Vermögen stehen früher oder später vor einer Frage, die nichts mit Märkten zu tun hat: Wer führt das eigentlich? Nicht welcher Fonds gekauft wird, sondern wer den Überblick über Vermögenswerte, Steuererklärungen, Nachfolgeplanung, Immobilien, externe Anwälte und das Reporting über mehrere Länder und Generationen behält.

Die Struktur, die genau dafür geschaffen wurde, ist das Family Office. Dieser Beitrag erklärt, was ein Family Office ist, worin sich Single und Multi Family Office unterscheiden, was der Betrieb kostet und warum die Schweiz zum europäischen Zentrum dafür wurde.

Was ist ein Family Office?

Ein Family Office ist eine Gesellschaft, deren Zweck die Verwaltung des privaten Grossvermögens einer Eigentümerfamilie ist. Die Aufgaben sind grundsätzlich nicht auf die Geldanlage beschränkt: Typischerweise kommen Buchführung, Controlling, Büroorganisation, Mediation, die Auswahl und Mandatierung externer Dienstleister wie Rechtsanwälte oder Steuerberater, Reiseplanung und Sicherheitsmanagement hinzu.

Der wesentliche Unterschied zu einem Vermögensverwalter ist die Kontrolle. Das Family Office steht unter Kontrolle der Anlegerfamilie selbst, der Vermögensverwalter unter Kontrolle eines Dritten. Daraus folgt die unterschiedliche Regulierung: Ein Vermögensverwalter benötigt die Erlaubnis der Aufsichtsbehörde, ein reines Single Family Office in der Regel nicht, weil Anleger und Eigentümer identisch sind. Die BaFin hat dazu ein Merkblatt zur Erlaubnispflicht nach KWG und KAGB veröffentlicht.

Als erstes Family Office gilt das 1838 gegründete House of Morgan. Das Family Office der Familie Rockefeller folgte 1882.

Single Family Office oder Multi Family Office?

Ein Single Family Office betreut eine Familie, ein Multi Family Office mehrere und verwaltet deshalb in der Regel kleinere Einzelvermögen. Die Ökonomie beider Modelle unterscheidet sich deutlich.


Single Family Office
Multi Family Office
Kunden
Eine Familie
In der Regel 10–15 Familien
Typische Vermögensgrösse
Ab 100 Mio. USD; empfohlene Mindestgrösse rund 500 Mio. CHF
25–50 Mio. USD je Kunde
Kontrolle
Vollständig bei der Familie
Geteilt, anbietergeführt
Regulierung
Häufig ausserhalb der Erlaubnispflicht
Regulierte Finanzdienstleistung
Anzahl in Europa
Rund 750 ausschliesslich für eine Familie
Knapp 2.000

Die Zahlen zum europäischen Markt stammen von der Beratungsfirma Celent und werden in der deutschsprachigen Fachliteratur zitiert. Allein in Deutschland gibt es mindestens 300 Single Family Offices, die meisten davon ab 1970 gegründet.

Family Office Kosten: ab welchem Vermögen es sich lohnt

Ein eigenes Single Family Office rechnet sich in der Regel erst ab einem Vermögen von etwa 250 Millionen Euro. Darunter übersteigen die Kosten des eigenen Betriebs meist die Verwaltungsgebühren, die eine Familie einem externen Vermögensverwalter zahlen würde.

Die Family Office Kosten lassen sich grob beziffern: Ein Vollservice-Office kostet mindestens eine Million Euro pro Jahr, davon rund 60 Prozent Personalkosten. Schlank aufgestellte Strukturen, sogenannte virtuelle Family Offices, senken diesen Betrag deutlich, indem sie die meisten Funktionen auslagern und nur einen kleinen koordinierenden Kern behalten.

Der Abwägung liegt eine einfache Logik zugrunde: Die Familie gewinnt ein hohes Mass an Kontrolle über das eigene Vermögen und zahlt keine Verwaltungsgebühr an Dritte, da Anleger und Eigentümer identisch sind. Dafür übernimmt sie einen operativen Betrieb mit Personal, Systemen und Fixkosten.

Worin investieren Family Offices: alternative Anlagen und Direktbeteiligungen

Für die meisten Family Offices rangiert der Kapitalerhalt an oberster Stelle — vor absoluter Rendite und konstantem Cashflow. Diese Reihenfolge prägt alles Weitere.

Sie erklärt die langen Horizonte. Family Offices investieren über Direktbeteiligungen in etablierte Unternehmen und Start-ups, ähnlich wie Private-Equity-Firmen, halten aber deutlich länger: Die durchschnittliche Haltedauer bei Direktinvestitionen liegt bei rund 19 Jahren und damit weit über einem typischen Private-Equity-Zyklus.

Sie erklärt auch das Interesse an alternativen Anlagen. Alternative Anlagen umfassen Anlageklassen ausserhalb von Aktien und Anleihen — von Hedgefonds über Private Equity bis zu Immobilien und Infrastruktur. Ein Portfolio, das Kapital über Generationen erhalten soll, braucht Ertragsquellen, die nicht alle von derselben Marktrichtung abhängen. Das ist der praktische Grund, warum Family Offices in Hedgefonds-Strategien allokieren — und warum ein Dach-Hedgefonds mit mehreren Managern und Strategien besser zum Mandat passt als eine Einzelmanager-Position.

Kapitalerhalt zuerst, absolute Rendite danach. Wer die Reihenfolge umdreht, führt kein Family-Office-Mandat mehr.

Warum die Schweiz das europäische Zentrum für Family Offices ist

In der Schweiz bestehen schätzungsweise 300 bis 400 Family Offices, die vor allem ausländische Klienten betreuen und im Durchschnitt rund 20 Mitarbeitende beschäftigen. Ein Dutzend davon verwaltet jeweils Einzelvermögen von 10 bis 15 Milliarden US-Dollar.

Die Gründe sind struktureller Natur: politische und währungsseitige Stabilität, ein dichtes Feld an Investment- und Rechtsexpertise in Zürich und Genf sowie ein Aufsichtsrahmen unter der FINMA, den internationale Familien einordnen können. Die Swiss Single Family Office Association vertritt das Segment im Inland.

Für Vermögensverwalter vor Ort ist diese Nähe relevant. AQUIS Capital, eine Boutique für aktives Asset Management in Zürich, arbeitet mit institutionellen Anlegern, Family Offices, Banken und externen Vermögensverwaltern — genau der beschriebenen Klientel.

Family Office oder Privatbank: worin liegt der Unterschied?

Geschäfts- und Privatbanken werben zunehmend mit hauseigenen Multi Family Offices um dieselbe Kundschaft. Unabhängige Family Offices halten dem entgegen, dass einer bankeigenen Einheit die nötige Distanz bei Anlageentscheidungen fehle und sie auf Kommissionen ausgerichtet sei.

Das Gegenargument der Unabhängigen betrifft die Anreize: Sie rechnen tendenziell strikt nach Aufwand ab, nicht in Prozenten des verwalteten Vermögens oder des erzielten Gewinns. Ob das im Einzelfall zutrifft, ist eine Frage des konkreten Vertrags, nicht des Etiketts.

Ein praktischer Hinweis: Wo eine Gesellschaft oder Bankabteilung Family-Office-Dienstleistungen für Dritte erbringt, handelt es sich um eine regulierte Finanzdienstleistung. Die fehlende Erlaubnispflicht gilt für echte Single Family Offices, nicht für den Werbebegriff.

Häufige Fragen

Was macht ein Family Office genau?

Es verwaltet das private Vermögen einer Familie und die Administration darum herum — Anlagen, Buchführung, Controlling, Koordination von Anwälten und Steuerberatern, Nachfolgeplanung und oft auch praktische Themen wie Immobilien, Reisen und Sicherheit.

Ab welchem Vermögen lohnt sich ein Family Office?

Ein eigenes Single Family Office rechnet sich in der Regel ab rund 250 Millionen Euro. Single Family Offices verwalten typischerweise mindestens 100 Millionen US-Dollar, die empfohlene Mindestgrösse liegt eher bei 500 Millionen Franken. Multi Family Offices betreuen Kunden mit Portfolios von etwa 25 bis 50 Millionen US-Dollar.

Was kostet ein Family Office?

Ein Vollservice-Office kostet mindestens eine Million Euro jährlich, rund 60 Prozent davon Personalkosten. Schlanke virtuelle Strukturen sind deutlich günstiger, weil sie die meisten Funktionen auslagern.

Ist ein Family Office reguliert?

Ein echtes Single Family Office fällt häufig nicht unter die Erlaubnispflicht, weil Anleger und Eigentümer identisch sind. Sobald Family-Office-Dienstleistungen für Dritte erbracht werden, handelt es sich um eine regulierte Finanzdienstleistung.

Worin unterscheidet sich ein Family Office von einem Vermögensverwalter?

In der Kontrolle. Das Family Office steht unter Kontrolle der Familie selbst, der Vermögensverwalter unter Kontrolle eines Dritten und benötigt eine aufsichtsrechtliche Erlaubnis.

Warum investieren Family Offices in Hedgefonds?

Weil ihr erstes Ziel der Kapitalerhalt über Generationen ist, suchen sie Ertragsquellen mit geringer Korrelation zu Aktienmärkten. Hedgefonds-Strategien und Multi-Manager-Strukturen dienen dabei der Streuung, nicht als Kern des Portfolios.

Ein Family Office ist kein Produkt, das man kauft. Es ist eine betriebliche Entscheidung: ob eine Familie den Apparat ihres eigenen Vermögens selbst führen oder delegieren will. Die Zahlen oben markieren die Schwelle, alles Weitere hängt davon ab, wie viel Kontrolle die Familie behalten möchte.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Angaben zu Marktgrössen, Schwellenwerten und Kosten stammen aus veröffentlichter deutschsprachiger Fachliteratur und Brancheneinschätzungen und variieren im Einzelfall.

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