Emerging Markets ETF: Wie Sie den passenden Schwellenländer-ETF auswählen
Ein Emerging Markets ETF – auf Deutsch auch Schwellenländer-ETF – ist ein börsengehandelter Indexfonds, der Aktien aus Schwellenländern wie China, Indien, Taiwan, Südkorea oder Brasilien abbildet. Anleger erhalten damit mit einer einzigen Transaktion ein breit gestreutes und kostengünstiges Engagement in Schwellenländeraktien. Bei der Auswahl kommt es vor allem auf fünf Punkte an: den abgebildeten Index, die Kosten, die Replikationsmethode, das Fondsdomizil und die Konzentration. Dieser Beitrag erklärt, worauf Sie bei einem Emerging Markets ETF achten sollten, warum sich MSCI- und FTSE-Indizes unterscheiden und wo passive ETFs an ihre Grenzen stossen.
Was ist ein Emerging Markets ETF?
Ein Emerging Markets ETF hält einen Korb börsennotierter Unternehmen aus Ländern, die Indexanbieter als Schwellenländer einstufen, und soll die Wertentwicklung eines Referenzindex nachbilden, nicht übertreffen. ETF-Anteile werden wie Aktien an der Börse gehandelt und können während der Handelszeiten jederzeit gekauft und verkauft werden.
Der bekannteste Referenzindex ist der MSCI Emerging Markets Index. Laut MSCI bildet er grosse und mittelgrosse Unternehmen aus Schwellenländern ab und deckt rund 85 % der streubesitzbereinigten Marktkapitalisierung jedes Landes ab. Einen breiteren Überblick über Anlagen in Schwellenländern – einschliesslich aktiv verwalteter Fonds – gibt unser Beitrag zu Emerging-Markets-Fonds.
MSCI oder FTSE: Nicht jeder Schwellenländer-ETF enthält dieselben Länder
Zwei Emerging Markets ETFs können sehr unterschiedliche Portfolios haben, weil sich die Indexanbieter nicht einig sind, welche Länder als Schwellenländer gelten. Der bekannteste Unterschied ist Südkorea: Das Land ist Teil des MSCI Emerging Markets Index, während FTSE Russell es als Industrieland einstuft, wie justETF erläutert. Ein ETF auf einen FTSE-Schwellenländerindex enthält daher keine koreanischen Aktien, und die übrigen Länder sind entsprechend höher gewichtet.
Zudem ändern sich Einstufungen. FTSE Russell stuft Vietnam ab dem 21. September 2026 von «Frontier» auf «Secondary Emerging» hoch, schrittweise in vier Tranchen bis September 2027 – so die FAQ von FTSE Russell zur Neuklassifizierung Vietnams. ETFs auf FTSE-Schwellenländerindizes nehmen vietnamesische Aktien damit nach und nach auf, während Vietnam nicht Teil des MSCI Emerging Markets Index ist. Wie sich ein Vietnam-ETF und ein aktiver Fonds unterscheiden, zeigt unser Beitrag Vietnam-ETF oder aktiver Fonds.
Emerging Markets ETF Vergleich: Worauf Sie achten sollten
Den einen besten Emerging Markets ETF für alle Anleger gibt es nicht. Welcher Fonds passt, hängt davon ab, welches Engagement Sie suchen und wie Sie den ETF halten möchten. Die folgenden Kriterien helfen beim objektiven Vergleich.
1. Der Index
Entscheiden Sie zuerst, welchen Markt Sie besitzen möchten. Gängige Varianten sind Standardindizes mit grossen und mittleren Unternehmen, «IMI»-Indizes mit zusätzlichen Nebenwerten, Indizes ohne China («ex China»), regionale Indizes wie Schwellenländer Asien sowie ESG- oder Faktorvarianten. Der Index bestimmt die Länder-, Sektor- und Titelmischung weit stärker als die Wahl des Anbieters.
2. Gesamtkosten: TER und Tracking Difference
Die Gesamtkostenquote (TER) zeigt die laufenden Jahreskosten. Aussagekräftiger ist jedoch die Tracking Difference – die Abweichung der tatsächlichen ETF-Rendite von der Indexrendite über ein Jahr. Sie wird von Handelskosten, Quellensteuern, Erträgen aus der Wertpapierleihe und der Replikationsmethode beeinflusst.
3. Replikationsmethode
Physisch replizierende ETFs kaufen die Indexaktien – entweder alle (vollständige Replikation) oder eine repräsentative Auswahl (Sampling), was in Schwellenländern mit vielen kleinen und weniger liquiden Titeln üblich ist. Synthetische ETFs liefern die Indexrendite über einen Swap mit einer Gegenpartei; das bringt ein Gegenparteirisiko mit sich, kann aber in schwer zugänglichen Märkten effizient sein.
4. Fondsgrösse und Liquidität
Grössere Fonds haben tendenziell engere Geld-Brief-Spannen und ein geringeres Risiko, geschlossen zu werden. Die Liquidität eines ETF hängt vor allem von der Liquidität der enthaltenen Aktien ab und nicht nur davon, wie oft der ETF selbst gehandelt wird.
5. Domizil, Steuern und Ertragsverwendung
Für Anleger in Europa sind Emerging Markets ETFs meist UCITS-Fonds mit Sitz in Irland oder Luxemburg. Das Domizil beeinflusst, wie Quellensteuern auf Dividenden im Fonds behandelt werden. Zudem wählen Anleger zwischen thesaurierenden Anteilsklassen, die Dividenden wieder anlegen, und ausschüttenden Anteilsklassen, die sie auszahlen.
6. Währung und Konzentration
Die Handelswährung eines ETF (etwa USD, EUR oder CHF) ändert nichts am zugrunde liegenden Währungsrisiko – dieses bleibt die Mischung der Schwellenländerwährungen, sofern der Fonds nicht währungsgesichert ist. Prüfen Sie auch die Konzentration: Einige wenige grosse Märkte und eine kleine Zahl grosser Technologieunternehmen machen in einem breiten Schwellenländerindex typischerweise einen erheblichen Anteil aus.
Welche Risiken haben Schwellenländer-ETFs?
Schwellenländer-ETFs tragen die allgemeinen Risiken von Aktienanlagen und zusätzlich einige besondere Risiken:
- Volatilität und Kursrückgänge – Schwellenländeraktien können in Phasen globaler Risikoaversion stark fallen.
- Währungsrisiko – für Anleger in Franken oder Euro hängt die Rendite von den Schwellenländerwährungen ab.
- Politische und regulatorische Risiken – Kapitalverkehrskontrollen, Sanktionen oder plötzliche Regeländerungen können einzelne Märkte treffen.
- Klumpenrisiko – auch ein breiter Index kann von wenigen Ländern, Sektoren oder Unternehmen dominiert werden.
- Governance-Risiko – Standards der Unternehmensführung und der Schutz von Minderheitsaktionären unterscheiden sich stark.
ETF oder aktiver Fonds in Schwellenländern?
Ein ETF kauft den Index so, wie er ist – einschliesslich Unternehmen mit schwacher Governance, Staatsunternehmen und vorübergehend teurer Märkte. Aktive Manager können solche Titel meiden, sich auf bestimmte Länder konzentrieren oder Märkte erschliessen, die breite Indizes noch nicht enthalten, etwa Frontier-Märkte oder kürzlich hochgestufte Länder. Der Preis dafür sind höhere Kosten und das Risiko, hinter dem Index zurückzubleiben.
Die Grenzen des passiven Investierens beleuchtet unser Beitrag zu Indexfonds und den Grenzen passiver Anlagen; die Argumente für eine regionale Allokation finden Sie im Beitrag zu Emerging-Asia-Fonds. Einen Ausblick auf Schwellenländerfonds gibt unser Artikel Emerging-Market-Fonds 2026.
AQUIS Capital, eine von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bewilligte Asset-Management-Boutique mit Sitz in Zürich, verfolgt in einem dieser Märkte einen aktiven Ansatz. Der Lumen Vietnam Fund aus dem Fondsangebot von AQUIS Capital ist ein aktiv verwalteter UCITS-Aktienfonds, der in börsennotierte Unternehmen in Vietnam investiert und unterbewertete, wachstumsstarke Unternehmen mit guter Unternehmensführung auswählt.
Häufige Fragen zu Emerging Markets ETFs
Was ist ein Emerging Markets ETF?
Ein Emerging Markets ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Index von Unternehmen aus Schwellenländern abbildet, etwa den MSCI Emerging Markets Index. Er bietet mit einer einzigen Anlage ein breit gestreutes Engagement in vielen Ländern.
Welcher ist der beste Emerging Markets ETF?
Den einen besten Schwellenländer-ETF gibt es nicht. Entscheidend sind der abgebildete Index, die Gesamtkosten einschliesslich Tracking Difference, die Replikationsmethode, die Fondsgrösse, das Domizil und die Wahl zwischen thesaurierender und ausschüttender Variante.
Was ist der Unterschied zwischen MSCI- und FTSE-Schwellenländer-ETFs?
Der wichtigste Unterschied ist die Länderauswahl. MSCI zählt Südkorea zu den Schwellenländern, FTSE Russell stuft das Land als Industrieland ein. Zudem nimmt FTSE Vietnam ab September 2026 in seine Schwellenländerindizes auf.
Wie riskant sind Schwellenländer-ETFs?
Schwellenländer-ETFs schwanken in der Regel stärker als ETFs auf Industrieländer. Sie sind Währungs-, Politik-, Governance- und Klumpenrisiken ausgesetzt und werden deshalb meist als Baustein eines breit diversifizierten Portfolios gehalten.
Enthält ein Emerging Markets ETF Vietnam?
Die meisten breiten Schwellenländer-ETFs enthalten Vietnam noch nicht. Vietnam ist nicht Teil des MSCI Emerging Markets Index; FTSE Russell nimmt das Land jedoch ab dem 21. September 2026 schrittweise bis September 2027 in seine Schwellenländerindizes auf.
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Dieser Inhalt dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt keine Finanz-, Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Investitionen sind mit Risiken verbunden, einschliesslich des möglichen Kapitalverlusts. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Ziehen Sie vor Entscheidungen eine zugelassene Fachperson hinzu.