Unsere Einblicke
„vietnams bip wuchs im zweiten quartal

„Vietnams BIP wuchs im zweiten Quartal 2026 um 8,39 Prozent“

Mario Timpanaro, Manager des Lumen Vietnam Fonds bei AQUIS Capital, über Vietnams starkes Wachstum, attraktive Bewertungen und die Chancen, die sich durch die zunehmende Integration in globale Lieferketten ergeben.

private banking magazin: Herr Timpanaro, KI- und Halbleiterwerte standen bei den Anlegern bislang stark im Fokus, Vietnam haben wenige Anleger auf dem Schirm. Warum halten Sie den Markt gerade jetzt für interessant?

Mario Timpanaro:Genau darin liegt aus unserer Sicht eine interessante Diskrepanz. Während sich die Aufmerksamkeit der globalen Anleger stark auf wenige große Themen und Märkte konzentriert, verbessern sich in Vietnam gleichzeitig Wachstum, Unternehmensgewinne und Marktstrukturen. Das Land ist in vielen internationalen Portfolios nach wie vor unterrepräsentiert. Wir sehen hier aber einen Markt, dessen fundamentale Entwicklung deutlich stärker ist, als es die aktuelle Wahrnehmung vieler Investoren vermuten lässt.

Die vietnamesische Wirtschaft wächst derzeit sehr dynamisch. Was sind die wichtigsten Wachstumstreiber?

Timpanaro:Das Wachstum steht auf mehreren Säulen. Zum einen entwickelt sich der Binnenkonsum sehr erfreulich. Mit steigenden Einkommen und einer wachsenden Mittelschicht nehmen die Ausgaben für Markenprodukte, Gesundheit, Freizeit, Reisen und Finanzdienstleistungen zu. Gleichzeitig bleibt Vietnam ein wichtiger Produktions- und Investitionsstandort. Unternehmen verlagern zunehmend anspruchsvollere Produktionsschritte ins Land, wodurch Direktinvestitionen und die industrielle Entwicklung unterstützt werden.

Hinzu kommen umfangreiche öffentliche Investitionen in Straßen, Autobahnen, Flughäfen, Häfen dies wird zu einer höheren Effizienz führen. Diese Kombination aus Konsum, Industrialisierung, ausländischen Direktinvestitionen und Infrastruktur bildet eine sehr solide Grundlage und wird dem Land einen weiteren Wachstumsschub verleihen.

Wie robust ist diese Entwicklung angesichts eines weiterhin anspruchsvollen globalen Umfelds?

Timpanaro:Die bisherigen Zahlen zeigen eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit, das BIP wuchs im zweiten Quartal 2026 um satte 8,39 Prozent, im ersten Halbjahr um 8,18 Prozent. Der Einkaufsmanagerindex lag zuletzt bei 52,9 Punkten und seit 13 Monaten hintereinander über der 50-Punkte-Marke, die wirtschaftliche Expansion signalisiert. Gleichzeitig verzeichnete der Tourismussektor ein Plus von 13,8 Prozent – oder anders ausgedrückt: 13,9 Millionen Menschen besuchten das wunderschöne Land in Südostasien.

Besonders auffällig sind die guten Unternehmensgewinne. Wie beurteilen Sie die Entwicklung am Aktienmarkt?

Timpanaro:Die Gewinnentwicklung war im ersten Halbjahr höchst erfreulich, gleichzeitig spiegeln die Bewertungen diese fundamentale Entwicklung aus unserer Sicht noch nicht wider. Das nachlaufende Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt rund eine Standardabweichung unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Für Investoren ergibt sich daraus eine reizvolle Konstellation: starkes Gewinnwachstum auf der einen Seite und vergleichsweise moderate Bewertungen auf der anderen.

Warum hat sich der vietnamesische Aktienmarkt dennoch zuletzt nicht stärker entwickelt?

Timpanaro:Kurzfristig haben Gewinnmitnahmen und Margin Calls einheimischer Investoren den Markt belastet. Zudem sind höhere Zinsen auf Bankeinlagen für lokale Anleger wieder zu einer attraktiveren Alternative geworden. Entscheidend ist für uns jedoch der Blick auf die Fundamentaldaten. Wenn man die Halbjahreszahlen, die Qualität vieler börsennotierter Unternehmen und deren Bewertungen betrachtet, sehen wir gute Gründe dafür, dass Käufer wieder an den Markt zurückkehren. Erste zunehmende Aktivitäten aus dem Ausland konnten wir bereits beobachten.

Welche Rolle spielen ausländische Direktinvestitionen für die weitere Entwicklung?

Timpanaro:Sie sind zentral – Vietnam profitiert von seiner zunehmenden Bedeutung als regionaler Produktions- und Lieferkettenstandort. Die realisierten Direktinvestitionen erreichten in den ersten sieben Monaten 2026 15,2 Milliarden US-Dollar, während die neu zugesagten Investitionen von 38,1 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchst-Wert erreichten haben. Besonders wichtig ist, dass diese Investitionen nicht nur Kapital ins Land bringen, sondern auch die Integration Vietnams in globale Wertschöpfungsketten weiter vorantreiben. Hier wäre wichtig zu erwähnen, dass die meisten Investitionen im IT- und Tech-Bereich stattfinden.

Die Regierung verfolgt ambitionierte Wachstumsziele. Welche Reformen und politischen Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht besonders relevant?

Timpanaro:Vietnam bereitet sich auf den nächsten Entwicklungsschritt vor. Immobilienreformen sollen blockierte Projekte wieder in Bewegung bringen. Gleichzeitig wurden die Ziele für Staatsunternehmen deutlich angehoben, um sie langfristig stärker an internationalen Standards auszurichten. Darüber hinaus bleibt die Infrastrukturpolitik ein wesentlicher Faktor. Die öffentlichen Investitionen sind bereits deutlich gestiegen und dürften zum Jahresende nochmals stärkere Wachstumsimpulse liefern.

Wo sehen Sie die größten makroökonomischen Risiken?

Timpanaro:Bei einem so hohen Wachstumstempo muss die makroökonomische Stabilität genau beobachtet werden. Die Inflation lag zuletzt mit durchschnittlich 4,39 Prozent im Rahmen des Zielkorridors, dennoch besteht bei weiter steigender Kreditnachfrage die Gefahr einer Überhitzung. Wir beobachten deshalb insbesondere die Entwicklung von Zinsen, Kreditwachstum und des vietnamesischen Dong. Eine etwas restriktivere Geldpolitik könnte helfen, die Wirtschaft zu stabilisieren und zugleich den Druck auf die Währung zu reduzieren. Der Obligationenmarkt muss reformiert werden, damit in Zukunft mehr Investoren am Markt teilhaben können. Da Vietnams Staatsverschuldung nur 36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beträgt, kann sich das Land zu günstigen Zinsen finanzieren.

Ein wichtiger Katalysator ist die Hochstufung durch FTSE Russell. Welche Bedeutung messen Sie diesem Schritt bei?

Timpanaro:Die geplante Hochstufung Vietnams zum „Secondary Emerging Market“ ab September 2026 könnte einen wichtigen strukturellen Impuls für den Kapitalmarkt setzen. Zwar dürften die unmittelbar daraus resultierenden Kapitalzuflüsse zunächst überschaubar bleiben, dennoch ist die Aufwertung ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Sie stärkt die internationale Wahrnehmung Vietnams, erweitert den Kreis potenzieller Investoren und könnte langfristig zu einer stärkeren Nachfrage durch passive und aktive Anlageprodukte führen. Für einen Markt, der in vielen globalen Portfolios noch untergewichtet ist, wäre dies ein bedeutender nächster Entwicklungsschritt.

Wie ist der Lumen Vietnam Fund in diesem Umfeld positioniert?

Timpanaro:Wir konzentrieren uns auf Unternehmen mit starken Bilanzen, nachhaltigem Cashflow, guter Corporate Governance und hoher Gewinnvisibilität. Besonders interessant finden wir führende Unternehmen aus den Bereichen Innlandkonsum, Infrastruktur, Industrie, Logistik und Energie sowie ausgewählte Banken und Versicherungen. Unser Ansatz ist dabei langfristig ausgerichtet: Wir möchten von den strukturellen Veränderungen profitieren, die Vietnam in den kommenden Jahren prägen werden.

Was ist Ihre wichtigste Botschaft an Anleger, die Vietnam bislang nicht auf dem Radar haben?

Timpanaro:Vietnam sollte aus unserer Sicht nicht nur als kurzfristige Wachstumsstory betrachtet werden. Das Land verbindet eine wachsende Mittelschicht, eine fortschreitende Industrialisierung, hohe Investitionen in Infrastruktur und eine zunehmende Bedeutung in globalen Lieferketten.
Gleichzeitig sind die Bewertungen vieler Unternehmen weiterhin attraktiv. Natürlich gibt es Risiken und kurzfristige Schwankungen, aber die langfristigen strukturellen Chancen bleiben aus unserer Sicht intakt. Gerade deshalb lohnt es sich, Vietnam genauer anzusehen.

Zur Person
Mario Timpanaroverwaltet seit 2012 den Lumen Vietnam Fonds in enger Zusammenarbeit mit dem Team vor Ort. Timpanaro verfolgt mit dem Lumen Vietnam Fund einen aktiven Investmentansatz, der qualitativ hochwertige vietnamesische Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen, langfristigen Wachstumsperspektiven und attraktiven Bewertungen in den Mittelpunkt stellt. Ergänzend nutzt er die technische Chartanalyse, um Ein- und Ausstiegszeitpunkte gezielt zu optimieren und damit zusätzlichen Mehrwert für den Fonds zu schaffen.

Source: https://www.private-banking-magazin.de/vietnams-bip-wuchs-im-zweiten-quartal-2026-um-839-prozent/

Neueste Artikel

Hedgefonds sind zurück – warum gerade jetzt? Das Argument für die Anlageklasse und den Multi-Manager-Ansatz hedgefonds sind zurück – warum gerade
Hedgefonds sind zurück – warum gerade jetzt? Das Argument für die Anlageklasse und den Multi-Manager-Ansatz
Einleitung Zwei Fragen stehen hinter nahezu jeder Allokation in Hedgefonds. Die erste lautet, ob Hedgefonds überhaupt einen Platz im Portfolio verdienen. Die zweite, die sich unmittelbar daran anschließt, ist die
Vietnam: Momentum und Wachstum, gewürzt mit einer Prise Diversifikation vietnam: momentum und wachstum, gewürzt mit
Vietnam: Momentum und Wachstum, gewürzt mit einer Prise Diversifikation
Vietnams Wirtschaft glänzt mit hohen Wachstumszahlen. Internationale Aktieninvestoren können von dieser Dynamik profitieren und gleichzeitig ihr Portfolio diversifizieren. Früheinsteiger nutzen zudem das Chancenpotenzial des angestrebten Aufstiegs des Landes zum Emerging
Vietnam: Fundamentaldaten sprechen für die nächste Wachstumsphase vietnam: fundamentaldaten sprechen für die nächste
Vietnam: Fundamentaldaten sprechen für die nächste Wachstumsphase
Die Volkswirtschaft mit 102 Millionen Einwohnern legt trotz geopolitischer Unsicherheit ein beeindruckendes Wachstum hin.Das erste Halbjahr 2026 hat einmal mehr gezeigt, wie widerstandsfähig die vietnamesische Volkswirtschaft geworden ist. Trotz geopolitischer
Alle Einblicke ansehen